Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Alles was noch mit der F800S + F800ST + F800GT + F800GS und der F800R zu tun hat.

Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon OSM62 » 09.06.2017, 23:03

HarrySpar hat geschrieben:Heißt das, dass man bei gleicher Schräglage bei einem
Sportreifen einen schmaleren Angststreifen bekommt als bei einem Tourenreifen?

Harry

Hallo,
die Reifenhersteller spielen um ein bestimmtes Kurvenverhalten zu bekommen
mit den Radien bei der Reifenkonstruktion.
Aktuell hat z. B. Dunlop bei dem SportSmart 2 MAX die Kontur des Vorderreifens
zur Kante hin flacher gemacht.
Anders herum hat Michelin beim Power RS die Kontur des Reifens her runder gemacht.
Das hat die folge, das wenn man beim Reifen hinten, wenn man z. B. oben genannten Dunlop,
oder den von mir auf einer anderen Maschine gefahrenen Metzler Roadtec 01 schon auf der
Kante bewegt (also komplett angefahren ist), beim Power RS noch einen ca. 3-5 mm breiten
hat. Der Power RS ist der einzige mir bekannte Reifen im Moment der vorne/hinten einen gleich
breiten Angststreifen übrig lässt.
Tendenziell:
Tourenreifen sind meistens flacher, kommen (besonders der hintere Reifen) früher an die Kante.
Sportreifen dagegen eher runder mit mehr Reserven an der Kante.
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon Skater » 11.06.2017, 07:37

Ich habe bei verschiedenen Reifentypen mit einer Kreide mehrere Querstriche auf die Reifen gemalt.
So kann nach der Fahrt ziemlich einfach die Ausnutzung der Fläche "Schräglage" geprüft werden.
Bei gleicher Strecke lassen sich Vergleiche mit Luftdruck und Reifentyp herstellen.
Es gibt Reifentypen, da verschwindet der "Angststreifen" komplett.
Die Kreide ist nach 20 km fast abgefahren.
Andere Reifentypen lassen die Kreidestriche an den Seiten, bis zum nächsten Regen, jungfräulich erscheinen.
Gruß Skater
Denn wir MÜSSEN nicht, was wir TUN!
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon MichaelP » 12.06.2017, 08:06

Servus Basti!

Also ich fahre jetzt seit einem Jahr Motorrad und habe mich seither nie mit diesem Thema auseinandersetzen müssen. plemplem Weil es absoluter Schmarn ist...
Ich hatte die ersten 2-3 tkm einen 3 cm "Angststreifen", obwohl ich eher sagen würde, dass es einfach der "Lernstreifen" ist. Mit 10 tkm hatte ich dann noch etwa einen cm übrig und musste die Reifen dann auch tauschen. Mehr traute ich mich einfach mit dem ersten Satz nicht. Nun habe ich einen neuen Satz Reifen und bin mittlerweile bei etwa 5 mm auf dem Hinterrad gekommen.
Da bin ich hingekommen, indem ich mit einem Kumpel mehrmals eine Kurvenreiche Straße abgefahren habe und mich über Interkom von ihm informieren lies, wie die Kurvenlage und -technik den aussieht und wie viel Spielraum ich habe. Daraufhin (und nachdem wir uns mit der Strecke (Sudelfeld) vertraut gemacht haben (Belag, Schmutz, Allgemeines Verkehrsaufkommen, etc.)) habe ich mich dann langsam vorgetastet. Siehe da... Ich habe ja immer noch etwas ungenutztes Gummi auf dem Reifen. neenee
Gestern mit meiner Sozia eine längere Tour gemacht, bei der ich eigentlich immer etwas weniger Schräglage genutzt habe, da ich mir hier besonders viel Reserve aufbewahren möchte.

Zu deiner ersten Frage: Ich würde sagen, es ist umgekehrt. Je schneller du eine Kurve nimmst, desto mehr Schräglage musst du einnehmen um den Kurvenradius zu halten. Traust du dir nicht genug zu, oder bist schon am Schräglagen-Limit und dennoch zu schnell, wird der Radius zu groß.
Ich kann mich hier nur meinen Vorrednern anschließen: Üben, üben, üben. Und viel wichtiger: Immer im eigenen Wohlfühlbereich bleiben. Man darf sich keinesfalls zu etwas überreden lassen, oder hinreißen lassen, etwas zu beweisen.

Die Straßenverhältnisse kann man ja meiner Einsicht nach subjektiv wahrnehmen. Der eine wird trotz Flicken und Rissen ein anderes Empfinden für die Straße haben als der andere. Das kann an vielen Dingen liegen: Mehr Erfahrung (ob allgemein, oder die Strecke betreffend), mehr Risikobereitschaft, mehr technische Möglichkeiten (keine Assistenzsysteme - Bsp. Chopper vs. Naked) und noch vieles mehr.

Viel wichtiger finde ich, dass man die Kurvenlinie schön fährt und einen "sauberen" Schwung hat. Jemand der schnell um jede Kurve rast, dann viel korrigieren muss und keine saubere Linie fährt, sieht in meinen Augen noch lange nicht so cool aus, wie jemand der easy um die Kurve rollt und souverän die Kurven durchschwingt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Roll weiter wie es dir Spaß macht und wenn jemand deine "Angstränder" belächelt, einfach lächelnd fragen, ob derjenige sein Schleifpapier dabei hat. popcorn

Gruß
Michi
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon Lilo Wandert » 13.06.2017, 21:39

Angststreifen haben nur warmduschende Feiglinge---tönen die Heizer, die schon mal fliegen, wenn die Strasse nicht weiss, dass ihr Pneu Testsieger war...
Vernunftstreifen haben die "Beiker"---ob die aber die "Sicherheitsreseven" der letzten 20mm wirklich nutzen, wenn`s brennt? scratch
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon OSM62 » 13.06.2017, 22:01

Lilo Wandert hat geschrieben:..... ob die aber die "Sicherheitsreseven" der letzten 20mm wirklich nutzen, wenn`s brennt?


Du hättest Recht wenn diese Fahrer auch das können/die Sicherheit hätten dann soweit runter zu gehen.

Ich habe leider die Erfahrung gemacht, das man an den "Sicherheitsreserven" meistens auch
das Fahrkönnen ablesen kann.
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon Roadrunner72 » 14.06.2017, 06:50

OSM62 hat geschrieben:Ich habe leider die Erfahrung gemacht, das man an den "Sicherheitsreserven" meistens auch
das Fahrkönnen ablesen kann.

Jap, diese Erfahrung deckt sich mit der Meinigen.
Drum kann ich nur jedem Sicherheits- und Kurventrainings nahelegen. Eine hervorragende Investition in die eigene Fahrkompetenz und damit in die Sicherheit.
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon HarrySpar » 14.06.2017, 07:57

OSM62 hat geschrieben:Ich habe leider die Erfahrung gemacht, das man an den "Sicherheitsreserven" meistens auch
das Fahrkönnen ablesen kann.

Meinst Du damit jetzt, dass das Fahrkönnen eines Fahrers umso kleiner ist, je breiter sein Angststreifen ist?
Harry
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon OSM62 » 14.06.2017, 08:11

HarrySpar hat geschrieben:Meinst Du damit jetzt, dass das Fahrkönnen eines Fahrers umso kleiner ist, je breiter sein Angststreifen ist?
Harry

Ja, leider.
Denn wer Schräglagen fahren kann, tut es dann wenigstens auf der Hausstrecke in den ihm
bekannten Kurven. Und dann ist der Angststreifen entsprechend schmal, und zeugt davon
das der Schräglagensensor im Kopf des Fahrers schon mal in diesen Bereich gewesen ist.
Ich habe leider schon oft, wenn ich als Lumpensammler am Ende der Motorradgruppe
unterwegs gewesen bin, gesehen wie einer (der meint das Tempo um jeden Preis mitgehen
zu müssen) in einer Kurve aufgemacht hat, in den Graben gefahren ist (ist mir selber in jungen
Jahren passiert), nur weil er vorher noch nie so eine Schräglage gefahren ist.
Und das bei Kurven deren Verlauf komplett einsehbar war.
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon HarrySpar » 14.06.2017, 08:26

Michael, vor zwei drei Jahren hab ich bei uns am Kesselberg mal eine Nürnbergerin mit einer F800R gesehen mit einem Angststreifen von ungelogen!!! locker viereinhalb Zentimeter.
Und die kam grad aus Nürnberg. Reifen war also sicher nicht mehr nagelneu. Und sie kam ja grad ebenfalls den Kesselberg (viele geile Kurven) herauf.
Ich sehe ja oft Angststreifen mit zwei oder zweieinhalb oder drei Zentimetern. Aber viereinhalb Zentimeter ist schon der Wahnsinn.

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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon Roadrunner72 » 14.06.2017, 09:47

Mein krassestes Erlebnis diesbezüglich war auf einem Sicherheitstraining beim ADAC in Augsburg. Ein zierliches Mädel, Modell "Mauerblümchen" mit ner 6er Ninja. Tattoo auf dem linken Unterarm "No risk, no fun". Ihr Angststreifen war ähnlich breit (eigentlich war nur die Mitte angefahren), in der Kreisbahn hat sie keine 15% Schräglage hinbekommen. Das war eher eine Geradeausfahrt mit sanft rausgehängtem Hintern. arbroller
Nach eigener Aussage fuhr sie nur über die AB zu Mutti, mehr nicht.

Wenn so jemand dann mal ansatzweise nachdrücken müßte (sofern überhaupt bekannt ist wie das funktioniert), dann ist Feierabend.

Ich beobachte immer wieder den (meist selbst auferlegten) Gruppenzwang, in Verbindung mit Prollgehabe. Drum meide ich auch, in mir unbekannten Gruppen zu fahren. Viele achten rein gar nicht auf Blickführung oder eine saubere Kurvenlinie. Hauptsache wild und schnell. Sauber ist anscheinend völlig irrelevant (dabei ist der "flow" doch einer der Hauptreize des Motorradfahrens, zumindest aus meiner Sicht).
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